Eisvögel an der Pfinz


Die Durlacher Naturfreunde haben sich vorgenommen, dem prachtvollen Eisvogel in seiner Vermehrung zu helfen, indem sie in der Nähe der Obermühle aus Lehm und Kalkgestein eine Brutwand errichtet haben, die dazu dienen soll, daß der Eisvogel seine Jungen in aller Ruhe aufziehen kann.


 Beschreibung der Art:

Der Eisvogel ist ein sehr selten gewordener Rackenvogel, der gewöhnlich an klaren Gewässern nach kleinen Fischen, Krebsen und Kerbtieren sucht.

Den Eisvogel kennzeichnet ein untersetzter Rumpf und ein langer, dünner, gerader Schnabel, der sich nach und nach zuspitzt. Der Schwanz ist recht kurz. Das Gefieder des Eisvogels ist prachtvoll gefärbt, oben meist metallisch, unten seidig glänzend. Oberkopf und Hinterhals sind auf düster grünschwarzem Grund mit schmalen, meerblauen Spitzenflecken geziert. Die mittleren Teile der Oberseite sind türkisblau, die gesamte Unterseite rostrot. Der Eisvogel ist etwa 17 cm lang mit einer Schwanzlänge von etwa 4 cm.

Eisvögel brüten in den Abbruchkanten, das heißt in den erhöhten Uferböschungen von Flüssen, Bächen und gelegentlich auch in Wurzelscheiben umgestürzter Bäume. Das Problem der Eisvögel besteht darin, daß die nätürlichen Abbruchkanten entweder mit Steinen oder mit Büschen befestigt werden und der bunte Rackenvogel dadurch keine oder zumindest nur sehr erschwert Nistplätze findet. Manche Bäche sind auch so schmutzig, daß die Eisvögel in dem trüben Wasser nicht fischen können.

Kanalartig ausgebaute Gewässerläufe bieten oftmals keine geeigneten Sitz- und Lauergelegengeiten. Durch Baden, Angeln oder durch Menschen, die sich zu dicht am Ufer drängen, können Eisvögel, die dort brüten, erheblich gestört werden.


 Maßnahmen:

Die Durlacher Naturfreunde haben in unmittelbarer Nähe der Obermühle eine Eisvogelbrutwand errichtet. Diese ist etwa 2 m lang, 1,50 m hoch und 1,50 m breit. Als seitliche Befestigung dienen zwei kleine Granitsteinmauern. Dawischen befindet sich eine Mineralboden-Kalk-Mischung, die durch kräftiges Stampfen verdichtet wurde.

Daß bei einem plötzlich einsetzenden Platschregen nichts von der lehmartigen Mischung weggespült wird, wird die Brutwand auf der Oberseite begrünt (etwa mit Rasenplatten). Durch seinen spitzen, langen und harten Schnabel ist der Eisvogel nun in der Lage, auch in diesem harten Steingemisch seine ca. 1 m langen und durchschnittlich etwa 10 cm breiten Brutröhren zu bauen. Am Ende einer solchen Röhre baut der Eisvogel eine kugelförmige Ausdehnung, die dann als letztlicher Brutplatz dient..

         
 Verhalten und Eigenschaften von Eisvögeln:

Die Heimat des Eisvogels ist ganz Europa, von Jütland, Livland und Estland an nach Süden hin, sowie der westliche Teil Mittelasiens. Nordostafrika besucht er regelmäßig während des Winters, jedoch ohne dort selbst zu brüten.

An diesem Zeitweiligen Auftreten im Süden wird deutlich, dass wahrscheinlich der größte Teil der nordichen Eisvögel wandert, vielleicht sogar regelmäßig zieht.

In unseren Breiten sieht man diesen prachtvollen Vogel meist nur einzeln. Es ist stets bemüht, sich den Blicken der Menschen zu entziehen. Besonders in der Nähe bewohnter Ortschaften wählt er sich möglichst versteckte Plätzchen und Winkel als seine Ruhesitze aus. Jeder Eisvogel behauptet ein gewisses Gebiet und verteidigt dasselbe mit Hartnäckigkeit.

Dieser Vogel kann mit Recht "Sitzflügler" genannt werden, da er oft halbe Tage lang regungslos auf einer Stelle sitzt, den Blick auf das Wasser gekehrt und ruhig auf eine Beute wartet.

Beobachtet man ihn geduldig, so kann es passieren, dass er den Hals ausstreckt, sich nach vorne überbeugt, sodass der Schnabel fast senkrecht nach unten gerichtet ist, und plötzlich wie ein Pfeil ins Wasser stürzt, ohne dabei die Flügel zu gebrauchen. Er verschwindet vollkommen unter der Wasseroberfläche, arbeitet sich aber durch einige Flügelschläge wieder nach oben.

Seine Nahrung besteht vorzugsweise aus kleinen Fischen, Krebsen und auch Kerbtieren, mit denen die Brut großgezogen wird. Der Eisvogel ist sehr gefräßig; so fallen ihm täglich 10 bis 12 fingergroße Fischchen zum Opfer. Bei seiner Jagd verlässt er sich ausschließlich auf sein Sehsinn. Im Winter muss er sich mit einigen offenen Stellen in der Eisdecke begnügen, um seine Nahrung zu fangen. Doch er ist somit der Gefahr ausgesetzt, in das Eisloch zu fallen und die Öffnung nicht wieder zu finden.

Zuweilen versucht er einen großen Fisch hinabzuwürgen und erstickt dabei. Fichgräten, Schuppen und andere harte Teile seiner Nahrung speit er wieder aus.

Während der Paarzeit, Ende März und Anfang April, zeigt sich der Eisvogel sehr erregt, und lässt seine Stimme ein, hohes, schneidendes, oft wiederholten "tit tit" oder "si si", welches man oft nur selten vernimmt ertönen.

Nach der Paarung sucht er sich einen Platz für sein Nest aus. Es ist ein trockenes, schroffes, grasloses Ufer, an welchem keine Ratte oder irgendein anderes Raubtier hinaufklettern kann. In dieses Ufer hackt der Eisvogel 30 bis 60 cm vom oberen Rand entfernt ein rundes Loch. Am hinteren Ende erweitert sich dieses zu einer rundlichen, backofeähnlichen Höhle mit einer Höhe von 8 bis 10 cm und einer Breite von 10 bis 13 cm. Der Bau dauert zwei bis drei Wochen. Trifft er dabei auf Steine, so versucht er sie herauszuarbeiten. Gelingt dies nicht, lässt er sie stehen und arbeit um sie herum. Daher sind die Eingänge der Nester oft krumm. Sind jedoch zuviele Steine vorhanden, verlässt er die Stelle und hackt in der Nähe ein anderes Loch. Ein solches bewohnt der Eisvogel mehere Jahre, wenn er ungestört bleibt.

Bei den Eisvögel gibt es zwei Jahresbruten, bei denen 6 bis 7 kugelförmige Eier gelegt werden. Das Brüten dauert meist 21 Tage, in denen sich die beiden Partner abwechseln. Auch das Füttern teilen sich die Eltern. Erst nach 25 Tagen sind die Jungen fähig das Nest zu verlassen und auszufliegen.